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Der unbekannte schwarze Elchhund

von Dr. Rita Knauf-Brang

 

Schwarze Elchhunde sind Nordische Hunde und gehören zur Untergruppe  Nordische Jagdhunde. Die korrekte Rassebezeichnung lautet: "Norwegischer Elchhund schwarz" oder " Norsk Elghund sort". Ihr Ursprungsland ist, wie der Name schon sagt, Norwegen. Speziell in der Trondelag sind sie auch heute noch verbreitet.

Dort werden sie auch heute noch zur Elchjagd eingesetzt. Man führt sie als Schweißhunde oder als Bandhunde, die an der langen Leine die Wildwitterung aufnehmen.

Sind die norwegischen Elchhunde allgemein recht unbekannte Hunderassen, so trifft es den schwarzen Elchhund besonders hart. Schwarze Elchhunde werden in Hundebüchern kaum erwähnt und wenn- sind es nur einige wenige Sätze, nachdem man über die anderen Elchhundrassen berichtet hat. Dieses wird der Rasse aber sicherlich nicht gerecht. 

Der schwarze Elchhund ist nicht nur eine Farbvariante der anderen Elchhunde, sondern es handelt sich bei ihm um eine eigenständige Rasse mit sehr ausgeprägten Eigenschaften und Wesensmerkmalen, die sich von denen der anderen Elchhundrassen unterscheiden.

  

Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht verwunderlich, dass die Rasse  recht unbekannt ist, betrachtet man die Welpenstatistiken in Deutschland und auch in Norwegen. Während in Deutschland seit 1995 alle 2 Jahre zwischen 4-6 Welpen geboren werden, sind es im Ursprungsland der Rasse, Norwegen, auch nur 120-170 Welpen jährlich (gegenüber 900-1200 beim grauen Elchhund).

Erstmals im Jahre 2003 wurde in Norwegen eine Sonderzuchtschau nur für schwarze Elchhunde durchgeführt, zu der 52 Hunde gemeldet wurden. Frank Christiansen, ein auf Elchhunde spezialisierter Zuchtrichter, durfte die Hunde bewerten. Auf einer anschließenden Zuchtschau in Deutschland sprach er den deutschen Weltsiegern des Jahres 2003, Cari von der Wolfskaute ( Züchter und Besitzer: Dross, Weiterstadt) und Dux von der Wolfskaute ( Züchter: Dross, Weiterstadt; Besitzer: Knauf-Brang, Jünkerath), eine Einladung zur nächsten Spezialausstellung in Norwegen aus, da sie auch dort sehr gute Chancen auf die ersten Plätze hätten.

 

Dux von der Wolfskaute

 

 

 

 

 

 

 

In Deutschland leben zurzeit ca. 25 schwarze Elchhunde, von denen ein Hund im Besitz eines Jägers ist, der ihn mit Begeisterung hier in Deutschland zur Jagd einsetzt, insbesondere zur Nachsuche und bei der Schwarzwildjagd. Den Vorteil des schwarzen Elchhundes gegenüber den üblich eingesetzten Jagdhundrassen bei uns sieht er vor allem in der Vorsicht und Intelligenz des Hundes bei der Jagd. Das ist  bei der Wildschweinjagd, bei der viele Jagdhunde tödlich verletzt werden,  absolut überlebensnotwendig. Häufig rufen Ihn seine Jägerkollegen zur Nachsuche, die der Elchhund mit großer Sicherheit durchführt. Im letzten Jahr hat sein Hund sogar ein verwundetes Wildschwein in einem Sumpfgebiet gefunden. Für diesen älteren, durch langjährige Jagdausübung erfahrenen Jäger ist der schwarze Elchhund absolut tauglich, um in deutschen Wäldern als Schweißhund eingesetzt zu werden. Er straft mit seinen Jagdschilderungen all diejenigen Jäger und Jagdhundeausbilder Lügen, die in vollkommener Unkenntnis der Rasse behaupten, diese Rasse sei in hiesigen Wäldern nicht zu gebrauchen. Er räumt ein, dass die Gehorsamkeit des Hundes nicht so ausgeprägt ist wie bei anderen deutschen Jagdhunderassen, aber der schwarze Elchhund bringe sehr viel Jagdinstinkt mit, und sei auch mit wenig Ausbildung ein  sehr guter Schweißhund.

 

Dux auf der Schweißfährte

Dux am Ziel

In Österreich hat ein schwarzer Elchhund seine Überlegenheit bei der Fährtenarbeit sogar gegenüber den typischen Schweißhundrassen unter Beweis gestellt, indem er eine Fährte nach 48 Stunden erfolgreich verfolgt hat, auf der die ausgebildeten Schweißhunde scheiterten.

Der schwarze Elchhund bietet aber noch sehr viel mehr als seine Jagdeigenschaften. Er ist nämlich auch ein ausgesprochen angenehmer Begleithund.

Seine Größe und sein leichter Körperbau prädestiniert ihn geradezu zum Agility.

 Gepaart mit der ihm angeborenen Unerschrockenheit und Furchtlosigkeit gibt es für ihn keine wirklichen Hindernisse auf dem Parcours. Seine Schnelligkeit ist atemberaubend- wenn er will. Man darf nicht vergessen, dass der schwarze Elchhund ein nordischer Hund ist, der seinen Herrn nicht immer erwartungsvoll ansieht mit dem Blick "sage Meister, was wollen wir nun unternehmen?", sondern selbstverständlich in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen. Das kann dazu führen, dass er erst den Sinn eines Hindernisses überlegt oder aber zumindest die Reihenfolge selbstständig verändert. In diesem Fall wird vom Hundeführer eine gewisse Nervenstärke verlangt, auch, um das überlegene Lächeln oder den verächtlichen Ausdruck im Gesicht der Clubkollegen zu ignorieren.

Eine Ausbildung zum Rettungshund kommt den Schweißhund-Fähigkeiten des schwarzen Elchhundes sehr entgegen und bietet eine außerordentlich  gute Beschäftigungsmöglichkeit für den Hund.

Der Verein " Tiere helfen Menschen e.V." bittet mit seinem Projekt "Besuchsprogramme in Heimen" ehrenamtliche Mitarbeiter mit ihren Tieren regelmäßig (wöchentlich ca. 1 Stunde) Menschen in Pflegeheimen zu besuchen. Hier wird auch der schwarze Elchund eingesetzt, der sich dafür durch seine Liebe zu Streicheleinheiten und Schmusestunden, seine enge Beziehung  und freundliches Wesen dem Menschen gegenüber anbietet. Er genießt die Streicheleinheiten und die alten Menschen blühen auf.Dort wird nicht nur Menschen geholfen, auch der Hund erfährt eine sinnvolle, abwechslungsreiche Beschäftigung.

Der Elchhund kann im Freien leben und schlafen aber auch ein Leben im Haus ist für diesen Hund kein Problem. Gibt man ihm die Möglichkeit sein Temperament in der Natur auszuleben, ist er dankbar für eine kuschelige, warme Schlafstätte in der Nähe seines Menschenrudels. Hier kann er stundenlang schlafen und sich auch schon einmal schlafend stellen, wenn er befürchtet, man wolle ihn von dieser Stelle vertreiben. Der Hund sucht die Nähe des Menschen und fordert seine Schmusestunden. Es kann vorkommen, dass er auf dem Schoß von Herrchen und Frauchen einschläft. Verwehrt man ihm das Maß an körperlicher Zuneigung, das dem Hund vorschwebt, ist er richtig traurig und schmollt.

Blitzschnell ist er allerdings auf den Beinen, wenn ein verdächtiges Geräusch ertönt. In diesem Fall ist der Elchhund eine perfekte Alarmanlage, die sich allerdings nur langsam wieder beruhigt. Damit erschöpft sich aber auch die Schutzfunktion der Hunde, die auch  Fremde sehr freundlich und überschwänglich begrüßen.

Gerne ist der Elchhund nicht alleine. Es wird  ihm dann schnell langweilig und in diesem Fall ist er in der Lage, eine Wohnung in kürzester Zeit zu verwüsten. Mit einem eigenen Hundezimmer lasst sich dieses Problem aber leicht lösen.

 

Die Reaktion des Elchhundes auf andere Haustiere ist stark individuell schwankend. Während oft von einem  funktionierenden Zusammenleben mit Katzen berichtet wurde, können Kaninchen den Beutetrieb auslösen, auch wenn die Welpen mit ihnen groß geworden sind. Hier kann man keine  allgemeingültige Aussage treffen.

Da der schwarze Elchhund sehr anhänglich und menschenbezogen ist, gestaltet sich die Erziehung etwas einfacher, als man es von anderen nordischen Rassen her kennt. Die Tiere sind ausgesprochen lernfreudig und lernen sehr schnell. Daher bieten sich auch außerhalb des jagdlichen Bereichs viele Möglichkeiten die Hunde zu fördern, z.B. bei Such- und Geschicklichkeitsspielen. Der Hundehalter kann hier seiner Phantasie freien Lauf lassen. Überflüssig ist es jedoch, Apportierübungen mit dem Ball zu versuchen. Es ist eine absolute Ausnahme, wenn der Elchhund den Ball zurückbringt. Schließlich ist er kein Apportierhund, sondern ein Stöber- und Schweißhund und das sollte man auch im Spiel nie vergessen.

Mit strengen Erziehungsmaßnahmen  oder gar Gewalt hat man bei diesem Hund keine Chance. Entweder man ist in der Lage, den Hund davon zu überzeugen, dass er einem Befehl gerne folgt, oder er wird ihn ignorieren. Die Elchhunde haben ein feines Gespür für die Stimmung in der Familie, und wissen sehr gut, wann ein Rückzug angebracht ist, nachdem sie etwas angestellt haben. Es reicht dann oft ein Tadeln in etwas barschen Tonfall und die Hunde verdrücken sich mit angelegten Ohren und hängendem Schwanz. Es ist für sie richtig schlimm, wenn man mit ihnen schimpft. Lob darf überschwänglich sein, aber Tadel sollte wohldosiert werden und man bekommt mit dem schwarzen Elchhund einen wirklich faszinierenden Begleiter.  

 

 

 

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